leicht

ist es nicht
leicht zu werden
und es ist
leicht

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ES wird

uns neu
geboren
ausspucken

aus dem strudel
der wandlungen
und wer ES lässt
wird entlassen

aus gefängnissen
sinnloser anstrengung
getriebensein
und lieblosigkeit

als neues
kind
einer neuen
zeit

ES

wirft uns alle
aus der bahn
rüttelt am gestell
schüttelt auf
was am grund
von trüben wassern
in zellen hirnen
und gefühlskörpern
in matrizen alter
glaubensstrukturen
ganze zeitalter lang
vor sich hin dümpelte
während alle welt
behaupete und verlangte
zu sagen:

mir geht’s gut

da tanzt ein kind

in deiner
mitte

ein könig singt
und die prinzessin
swingt

da wacht
über allem
die königin

sie schaut
und
weiss

in ihrem
herzen
leis

bewegt sie
was sie
sieht

auf
und ab
im kreis

schau nur
wie sie
und wisse

sie hört
und hält
auch dich

 

der schrei

der durch die zeitalter
hindurch
in dir aufsteigt
würde ganze häuser
zum einstürzen bringen

also hältst du ihn
zurück
nur –
was tut er jetzt
in dir
wo du weisst
dass es nicht
dein schrei ist
sondern der
des menschen
schlechthin
der genug hat
von…

und du siehst ihn
in gesichtern
im bus im zug im café
in mienen wie erstarrt
kurz vor dem schrei
den sie ebenso
zurückhalten
wie du
aus angst oder anstand
oder beidem
mienen die an minen
erinnern
denkst du

allein mit schreien
ist noch nichts getan
es sei denn
die mauern würden
tatsächlich einstürzen
nicht die von häusern
aber die von bunkern
und fassaden
die kein mensch braucht
weder innen noch aussen
es wurde
noch keiner
glücklich darin

und solange der schrei
nicht sein darf
ist da scheinbar nichts
ausser nicht fühlen
und das ist so viel
wie nicht leben

(4. Februar 2019)