nun

ist es wieder so weit
die satteltaschen
laden
kleider in ihre beutel
und in den rucksack
verstauen
schnallen und schuhe
schnüren
sonnenbrille helm
und ein lächeln
aufsetzen
keine gedanken
an hitze schweiss
oder müde beine
jetzt ist alles frisch
genau so wie 
jeder einzelne
tritt ins pedal
kein grund
voraus zu eilen
nicht einmal
im kopf
auf gehts
let´s begin
anfänger jeden
tag 

golden softness

nichts mehr
als das
was von allein
nicht weniger
als das leben selbst
am steuer
die feier des augen
blicks dazwischen
gnade überfliessend
auf gehen im
silbernen strom
der atem leicht
betört vom duft
der frisch gemähten
felder im flirrenden
licht des frühen sommers
nichts tun
sein ohne soll
verweilen in der schwebe
sinken lassen
im fallen
aufgehoben

wurzeln

ins innerste innen
träumen
ein lebensbaum
der quelle entsprungen
leicht und vibrierend
im licht der seele
die auch wasser ist
mineral erde tier
so sind wir hier
mensch und feuerwesen
welten in und um uns
auf reisen
spuren lesen
als ob
tanzen wie sterne
funkelnd flunkernd
ein lächeln
will den tag
besingen

liebes ego

danke dir für alles was du in eifrigem tun und bemühen errichtet, abgebrochen, zerstört und wieder aufgebaut hast, für deine unermüdliche art dran zu bleiben, das boot zu steuern durch stürme und wogen, über abgründen zu balancieren, zu fallen und wieder aufzustehen, für schutz und nahrung zu sorgen, dich weiter zu bilden zu lernen und an dir zu arbeiten. du hast das gut gemacht.

jetzt ist die zeit, um die ganze plackerei zu beenden, die schweren lasten abzustellen und zu vergessen. alles vergessen was war, was du wie warum und wo getan oder nicht getan hast. das ist ab sofort geschichte! eine geschichte, die du mit meinem segen vergessen darfst, die du vergessen musst, um in das einzutreten, was das leben jetzt mit uns vorhat. ich kann dir nicht sagen, was das sein wird. das einzige, was feststeht, ist auch das entscheidende: du bist nun definitiv nicht mehr allein. die zeit des einsamen wolfes ist vorbei. die des heulens, fressens und gefressenwerdens auch. wir sind wolf, schaf, mutter, kind, führende und geführte. wir dürfen spass haben zusammen. und wir dürfen uns voller liebe und mitgefühl erinnern. an einander und an alles was war. sei getrost und lass los. deine namen und dein los!

deine dich ewig liebende seele

die sonne

überm see
bricht durch tief
hängendes
gedankengewölk
lässt unsichtbare muster
wie blitze in der trüben suppe
aufscheinen

nun ist gut
und genug nachgedacht
rätsel dürfen sein
wasser ist wasser
dicht ist undicht
falsch richtig
fragen gehen wieder baden

die welt das wetter
wie wahr wie klar
wie flüchtig wie wunderbar
ein neues lied
wird angestimmt
aus freier kehle nun
die leeren strophen

nicht ganz dicht

feucht ist es
ein tröpflein hier
und eines dort
ups und ups da zieht sich
mein system zusammen
jault auf spannt sehnen und bögen
holt die pfeile aus den köchern
als ob es um leben
und tod ginge
beginnen die gedanken
zu rasen
was mach ich hier
warum tue ich mir das an
soll das freiheit sein
auf vier quadratmetern
hermkriechen
unter einem dach
aus stoff
der körper auch
nicht mehr zwanzig und
ich wie das zelt
nicht ganz dicht?

könnte

alles auf diesem 
feuchten boden 
stattfinden
was sonst in zimmern
fluren treppenhäusern
auf knarrendem holz
und glattem linol
in steter bewegung
nie erreicht und
unmöglich schien:
mich niederlassen
und bleiben?